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Mon coeur vagabond… Nochmal unterwegs.

9. März 2014

Samstag Mittag, Paris. Ich dränge
mich durch die hoffnungslos überfüllte Metro Richtung Ausstieg, rufe
“Pardon!”, dann “Ich muss hier aussteigen!”, schiebe meinen
Koffer mit einem Ruck durch die Menschen, während das Signal ertönt, dass die
Tür gleich wieder zugeht. Lasst mich raus! Ich hechte im letzten Moment aus dem
Wagon. Kurzer Moment des Ausatmens nach der Enge zwischen all den Fremden. Jetzt
aber schnellstens zum Zug! Die Rolltreppen sind blockiert von Koffern und
im Weg stehenden Menschen. Also die Treppen hoch. Ich schwitze in meinem
Mantel, würge mich und den Koffer durch eigentlich automatisch aufgehende
Türen. Komme außer Atem am Bahngleis 12 an. Nach dem Adrenalin das
Glücksgefühl, es noch so heldenhaft geschafft zu haben! Im Zugabteil versinke
ich im Sitz und in den Blick aus dem Fenster.

Wo geht es nochmal hin? Ach ja.
Ich fahre an den Ort, an dem ich das Wintersemester verbracht habe. Brauche
Dokumente aus der Uni-Bibliothek und möchte mein Zimmer auf Vordermann bringen,
um es am Monatsende abgeben zu können. 
Der Zug schält nach und nach aus Paris heraus, lässt
die grauen Vororte hinter sich, gleitet in die ostfranzösische Landschaft. Mein
Geist regt sich. Nach einem Monat Alltag zwischen Wohnung, Metro, Menschen und
Arrondissements erfreut er sich wieder des Unterwegsseins… und Alleinseins.
Sonnenlicht bedeckt während der ganzen Fahrt mein Gesicht. Es ist gut, in
Bewegung zu bleiben.
Abends mache ich mir Nudeln in meiner
Mini-Küchenecke im Wohnheimzimmer und schenke mir den Rest Wein ein, der noch
im Kühlschrank gelagert hatte. Das warme Gefühl von Luxus steigt in mir auf. Der
Abend liegt vor mir, ich bin allein, es geht mir so gut. 

 Es ist natürlich alles eine
Frage der Dosierung. Eigenbrödlerei ist köstlich, wenn man an anderen Tagen Rücksicht
nimmt oder sich im Tempo der Tage fremdbestimmt fühlt. Einsamkeit ist
belebend, wenn man um ihre Kürze wissen darf (ist sie lang, wird sie schwer).
Ich könnte die ganze Nacht nur am Fenster stehen
und dieses Lied hören. 
Ist das etwa schon die leise Wehmut, die man hat,
wenn die “schöne Studienzeit” zu Ende geht? 
Kann ich dieses
Lebensgefühl von Einfachheit und Ungebundenheit mitnehmen, auch über die
Schwelle zum Berufsleben?
Seltsam, wie man so viele Dinge erst zu spüren
bekommt, wenn sie zu Ende gehen.

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  1. Ach, ja, ich kanns so gut nachvollziehen. Hab ich auch schon ganz änlich erlebt, das mit der Hetzerei und dann das Glücksgefühl im Zug und aus dem Fenster schauen und sich freuen auf das Ziel, bei dem man ankommen wird. Aber die Fahrt ist erstmal das Schönste.

    Ein schönes Lied, Lyra, kannst du es uns auch ein wenig übersetzen?

    Ach, jung sein, so schön! Das Leben liegt vor dir, genieße es und vertraue!
    Marlene

  2. Danke, liebe M, für dein Kommentar!

    In dem Chanson geht es darum, wie flatterhaft und "bohème" die Liebe sein kann, auch desillusionierend und "blass", aber wie sie dennoch gut tut…

    Jung sein…am liebsten für immer 🙂

    Lyra

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