Bücher & Lesen

Gute Bücher im März

28. März 2019

März war für mich ein guter Lesemonat. Nein, ich habe keine dicken Romane verschlungen, auch keine dünnen, leider. Dafür war die am Stück verfügbare Zeit zu knapp und somit das Risiko zu hoch, dass ich den Faden der Geschichte zu oft verliere und dann schlechten Gewissens ganz aufgebe. Deshalb lese ich in solchen Phasen (aber auch sonst rund ums Jahr) Gedichte: Die sind kurz und tief; kompakt und weit ausfaltbar. Sie stillen meinen Hunger nach Schönem und Echtem. Dieses Hungergefühl ist, mal stärker, mal latenter, eigentlich immer da. Auch kurze Essays, Sachbücher oder eine gute Zeitung lesen sich ganz gut nebenbei, wenn man im Alltag mal, hier mal da 20 Minuten Zeit und mentalen Freiraum übrig hat. So schichten sich im Laufe der Wochen überall in unserer Wohnung kleine Häufchen von Lesestoff, der sofort zur Hand ist, wenn sich ein günstiges Zeitfenster öffnet.

[Ich versuche im Übrigen ab und an, in Gegenwart meines Kleinkindes zu lesen. Setze mich auch extra runter auf den Spielteppich und versuche dabei, möglichst „verfügbar” zu wirken. Das Kind sieht es aber immer gleich auf mein Buch ab, lässt sein Spielzeug fallen und reißt mir „meins“ triumphierend aus der Hand. Dieses wird anschließend furios und falschherum durchgeblättert, um dann mit gleichgültiger Geste in eine Ecke fallengelassen zu werden. Ab und an schaffe ich aber trotzdem ein, zwei Seiten.]

Hier kommt eine Auswahl meiner Begleiter durch diesen Monat:

„100 Essays I Don’t Have Time To Write“ von Sarah Ruhl, einer preisgekrönten Dramaturgin aus den USA und Mutter von drei Kindern. Es sind kurze, knackige Essays über Theater, Sprache, Kinder… die die Autorin eigentlich gar nicht geschrieben hätte, denn Zeit hat sie eigentlich keine. Gut, dass sie es trotzdem gemacht hat. Eine anregende Lektüre, gut geeignet für häufig unterbrochenes Lesen. [Mein Exemplar ist bereits mit einer ungestümen Bleistiftkrakelei veredelt worden]. Vielleicht fange ich auch einfach mal an, Essays (Gedichte, Erzählungen, Artikel…) zu schreiben, für die ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe.

Dieses Jahr begann für mich mit der Entdeckung von Reiner Kunzes Lyrik, insbesondere seiner späteren. „ein tag auf dieser erde“ kann ich immer und immer wieder zur Hand nehmen; einige Gedichte würde ich mir gern an die Zimmerwand schreiben, sie würden einer schönen Malerei in nichts nachstehen. Und diese Anthologie von Blumengedichten, die mir beim Räumungsverkauf einer meiner Lieblingsläden im Viertel in die Hände fiel, „The Language Of Flowers“, ein schönes Bändchen für den Wohnzimmertisch, wenn die echten Blumen fehlen und in der Fantasie welche blühen sollen.

„Authentisch leben“ von Erich Fromm, für mich ein echtes Lebensbuch, das ich immer wieder aus dem Regal ziehen kann, um es durchzublättern, meine alten Markierungen wiederzufinden, um sie mit anderem Blick noch einmal zu lesen. Ein Manifest für ein selbstbestimmtes Leben, ein Fingerzeig auf die (Selbst-)Vermarktung des modernen Menschen, eine Ermutigung, das Ureigene in sich wieder wahrzunehmen und im spontanen, kreativen Tätigsein hervorzubringen.

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, es gibt nichts, dessen wir uns mehr schämen, als nicht wir selbst zu sein, und es gibt nichts, was uns stolzer und glücklicher macht, als das zu denken, zu fühlen und zu sagen, was wirklich unser Eigentum ist.

Authentisch leben. Erich Fromm, S.64

Ein paar Tage hat dieser März noch, der Frühling ist überall spürbar in der Stadt. Ein helles Jahresviertel steht bevor. Augen und Geist wachen auf – eine gute Voraussetzung fürs Lesen, fürs Schreiben.


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