• Schreiben & Poesie

    Notiz vom Glück

    Ein kleines Gedicht von mir, erschienen im Literaturboten (N°130), das mir wieder in die Hände fiel. Eine Notiz übers Glück. Das quicklebendige, impulsive Glück, das ein Kind empfinden kann, ohne zu wissen, dass es sich Glück nennt. Und dass dieses Empfinden in all den späteren Jahren selten werden würde, jedenfalls seltener in dieser Reinheit und Genügsamkeit: Im Garten sein, Gras harken, rücklings in den zusammengekratzen Haufen fallen – und in den Himmel sehen, wirklich den Himmel sehen. Jeder hat so einen Garten Eden.

  • Bücher & Lesen,  Gedanken,  Mein Paris

    IM STROM DER TAGE

    Mein Kalender sagt mir: schon Woche 9 des Jahres. Irgendwann zwischen Januar und Februar muss sich die Zeit beschleunigt haben? Wir stehen im Strom der Tage, der Wochen – ein starker, wild-schöner Strom, in dem man kaum etwas Festes zu fassen bekommt, um mal innehalten, sich umschauen, in sich hineinschauen zu können. Wo stehen wir, wie geht es uns? Da waren die schlimmen Windpockentage, die E. so mitgenommen haben. Fiebernächte und Kratzattacken. Kurze Gänge mit Kinderwagen durch die Kälte zur Apotheke, zur Post. Fürsorgetage, die alles andere hintenan stellen, meine Projekte auf Pause setzen, weil gerade nichts wichtiger ist als das Genesen meines Kindes. Da waren Morgende, an denen ich…

  • Gedanken

    ZEIT DES WARTENS, ZEIT DES WACHSENS

    Wieder am Ende einer Woche angelangt. Februar und ein wenig milde Luft weht schon durch Paris. Die Morgende sind nicht mehr ganz so dunkel und es fällt täglich leichter morgens aufzustehen. Irgendwo unter den dicken Decken der Wintermüdigkeit regen sich schon neuer Tatendrang und Lebenslust… Dabei ist das Frühjahr noch weit, diese Zeit, in der mich die Unruhe packt, das Licht die innere Starre durchbricht und neue Entwicklungen möglich werden. Die beruflichen Projekten blieben diese Woche ruhig. Da ist ein Auftrag, der noch nicht bestätigt ist, ein anderer, der noch nicht begonnen hat. Eine Zwischenzeit, die ich genieße (und die Raum gibt für Gedichte, Kunst und Spielereien) – trotz der…

  • Schreiben & Poesie

    EIN BUCH IM ENTSTEHEN

    Für einen gedichtband bedarf es hundert und mehr poetischer einfälle, hundert originärer, mehr oder weniger entdeckerischer verknüpfungen von welt – auch für einen zeitraum von vier, fünf jahren eine zahl, die staunen machen sollte –. Reiner Kunze, eines jeden einziges leben, S.115. Einen Gedichtband komponieren. Wie macht man das? Hier liegen all diese Gedichte ausgedruckt vor mir, die meisten davon entstanden in den letzten drei Jahren. Alle fingen mit einem poetischen Einfall an, einer Wendung, einem Fragment, aus dem dann langsam ein ganzer Textkörper heranwuchs, den ich dann tage-, wochen-, monatelang gemeißelt und behauen habe, bis sich das eigentliche Gedicht mühsam herausschälte. Nun ziehe ich Bilanz, ordne, selektiere. Welche Gedichte…

  • Mein Paris

    DIE SECHSTE JAHRESZEIT

    Vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, es gäbe gar nicht vier, sondern sechs Jahreszeiten: Mai und Juni als schönster Frühling; Juli und August für heißen Sommer; September und Oktober sind goldener Herbst. Dann kommt mit November und Dezember die Zwischenzeit der allmählichen Erstarrung. Eine Zeit, die die Landschaften versiegelt, die Welt hinter einem Kältevorhang abschließt. Der Winter ist erst mit Januar und Februar wirklich eingesessen. Bis er sich im März und April, der Zwischenzeit der Öffnung und des Taus, wieder erhebt und endlich ganz von dannen macht. Im Januar habe ich genau dieses Gefühl: erst jetzt ist Winter, erst jetzt ist alles so starr, nackt und still. Der Winter ist…

  • Bücher & Lesen,  Schreiben & Poesie

    GESCHRIEBEN WIE IM TRAUM

    Wie schreibt man mit Kind? Wie schreibt man über das Leben und das Schreiben mit einem Kind? In den allerersten Tagen dieses Jahres habe ich „Department of Speculation“ („Amt für Mutmaßungen“ in deutscher Übersetzung) von der in Brooklyn lebenden Autorin Jenny Offill gelesen. Auf ihr viel gelobtes Buch bin ich über den wunderbaren Austin Kleon gestoßen, der sich unter anderem mit ebendieser Frage nach der Vereinbarkeit von Kunst und Familie beschäftigt. Eigentlich durchläuft dieses Thema den Roman aber nur hintergründig. Vordergründig spielt sich eine Geschichte ab, die einem irgendwie bekannt vorkommt: Zwei lernen sich kennen – beide sind jung, und leidenschaftlich der Kunst verschrieben. Sie verlieben sich, schreiben einander Briefe,…

  • Gedanken

    WAS BRAUCHST DU

      Was sind das für gute Tage. Obwohl mein Puzzle aus Plänen und Ideen noch ziemlich durcheinander vor mir liegt, ist da so ein Vorgespür, dass sich alles fügen wird: durch meine Bemühungen einerseits, durch ein bisschen Glück andererseits.          Zwischendurch bin ich endlich mal wieder in die Lyrik abgetaucht (mir ist nach dem Lesen oft, als habe ich mich einmal wieder richtig gut ernährt). Da ist dieses Gedicht, was ich schon vor Monaten entdeckte und wovon mir immer mal Versfetzen durch den Geist gehen. Ein Text, der in wenigen Worten Bände spricht über das Menschsein und die menschlichen, ganz elementaren Bedürfnisse: Ruhe, Schutz, freien Raum, Beziehungen,…

  • Mein Paris

    EINE HANDVOLL KULTURTIPPS FÜR PARIS

    Das letzte Wochenende war eines mit viel Regen und Spaziergängen in den trockenen Stunden dazwischen. Ich hatte Besuch von meiner lieben Freundin T (mein letzter Besuch bei ihr – klick – liegt schon wieder Monate zurück). Zusammen zogen wir durch Pariser Ecken, in die es mich im Alltag sonst selten führt. Auf unserem Weg lag zum Beispiel das umgestaltete, wiedereröffnete Picasso-Museum im Marais-Viertel. Das letzte Mal war ich dort vor sechs Jahren, als meine Schwester und ich fünf Tage zusammen in Paris verbrachten und uns in gefühlt sämtlichen Pariser Kunstmuseen die Füße wund liefen. Am Samstag Abend huschten T und ich auch noch durch die aktuelle Ausstellung im Musée du…

  • Schreiben & Poesie

    KUNST UND SPIELEREIEN

    Es ist Frühling und während sich draußen alles erneuert, hatte ich Lust, auch dem Blog einen kleinen, frischeren Anstrich im Titel zu geben. Ich überlege, wie ich das Bloggen gestalten kann, dass es mir Freude macht, regelmäßig zu schreiben. Und dass mein Schreiben dem Lesenden auch etwas mitgibt. Letztes Jahr im Februar habe ich diesen Blog kreiert. Ich stand im letzten Stuzdienjahr und suchte einen neuen kreativen Ausdruckskanal. Heute schaue ich noch einmal in den allerersten Lyra-Post, in dem ich schrieb: “Über Paris liegt kalte, hellgraue Februarluft. Die Parks sind blätterlos, die Terrassen werden geheizt. Manche Boutiquen im Viertel sind geschlossen, es sind Winterferien. Ehe es wieder zu schnell gegen…