• Mein Paris,  Schreiben & Poesie

    WENN IN PARIS DER HERBST EINZIEHT

    der park altert in milchigem septemberlicht den wegen fallen die verbrannten schuppen auf die schultern unter unsern sohlen knacken die abende kurz auf   auf angewinkelten armen lehnt der herbst am sims der stadt Wie konnte ich nur über das lange Jahr, über Sommersehnsüchte und weiße Nächte, vergessen, wie schön der Herbst ist? Herbst, der eigentliche Seelenmonat. Hymne an das Leben, im Vergehen begriffen. Jedes Jahr eine Erinnerung an die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit aller Dinge, aber keine schmerzhafte, eine versöhnliche. Melancholie ist kein Abgrund, sondern, wie Victor Hugo sagt, das Vergnügen traurig zu sein. In Paris erlebt man den Wechsel der Jahreszeiten am intensivsten in den Parks. Heute war ich…

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    KAFFEEKRÄNZCHEN A LA PARISIENNE

    Letztes Wochenende waren F. und ich mal wieder bei einer unserer höchst freundlichen Nachbarinnen eingeladen. Ganz am Anfang meines Blogs, im Februar, habe ich schon einmal von einem dieser vergnügten Kaffeekränzchen geschrieben (undzwar hier: Klick). C. wohnt fünf Etagen unter uns, wir müssen also nur den Fuß in den Aufzug setzen und stehen schon vor ihrer Türe. Immer gibt es viel zu erzählen. Unsere Bekannte ist in Rente und widmet ihre Zeit voller Leidenschaft ihren Freundschaften, ehrenamtlichen Tätigkeiten, Büchern und kulturellen Ausflügen. So erfahre ich bei unseren “goûters” aus erster Hand, welchen Film man unbedingt im Kino sehen muss, welches Theater im Viertel gerade hochfrequentiert ist oder auch welche Herrschaften…

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    PARIS, SO STILL!

    Liebes Paris, was bist du still in deinen Gassen an einem Sonntag im August! Dass wir sonntags spazieren gehen, das muss mir F. immer schon vorher versprechen. Raus aus den Alltagsstraßen im Viertel, das man bald wie seine Westentasche kennt. An die Seine, über plätschernde Plätze, durch Tauben und durch Einbahnstraßen, durch die heute kein Auto fährt. Am Wegrand sammle ich Bilder ein, während F. mir vorausgeht … Warte! Seltsam, die Straßen so leer zu sehen. Man fühlt sich beinah wie Zurückgebliebene. Ganz Paris scheint an bretonischen Stränden zu sitzen. Ob es heute Abend wieder Regen gibt? unvorbereitet wie immer stehen wir vor dem Laden “Hier pour demain” in Paris…

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    SAMSTAGSKAFFEE # 2

    Um einen samstäglichen Kaffee spielt die Sommerzeit ihr Lied. Bei Ninjas virtuellem Kaffeekränzchen reihe ich mich zum zweiten Mal mit ein. Zu Hause bei F. und mir geht es augüstlich zu, ohne Eile und, da Wochenende ist, blau in den Tag hinein. Es hat in den letzten Tagen platzend geregnet und Paris verschwand hinter einem verschwommenen Vorhang, hier und da Lichter und grüne Alleen. Da ich mich unter der Woche vornehmlich mit der Masterarbeit hinterm Schreibtisch verschanze, ist mir so ein Wetter ohnehin willkommen. Ich bin mitten in der Schreibphase, noch gut in der Zeit, aber schnell ermattet vom Springen zwischen unzähligen Quellen und dem möglichst eleganten Verweben von fremdem…

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    EIN LANGER VIERZEHNTER JULI

    Das ist der Tag, an dem Frankreich feiert. Sich an die Revolution erinnert, den Sturm auf die Bastille, die bald darauf ausgerufene Erste République. Es ist ein Tag, an dem ich morgens von Fliegergeräuschen aufwache und von Weitem die pathetische Musik der Paraden hereinweht. Diese feierlichen Aufmärsche auf den Champs Elysées kann man finden, wie man möchte… dass es einen Feiertag mitten im Juli gibt, ist zumindest nicht unangenehm. F. und ich machen uns feiertäglich auf einen langen Spaziergang, wie wir es schon so oft gemacht haben. Einfach losgehen, erzählen, beobachten, bekannte und unbekannte Straßen nehmen, weiter, immer weiter. Wir gehen unser 6.Arrondissement hinunter bis zur Seine, an der wir…

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    PERSPEKTIVEN…

    … gibt es in Paris (und wo auch immer) unendlich viele. Meist ist es die eine: In einer Straße im Schatten hoher Fassaden zu gehen, mit leichtem Tunnelblick, gerichtet abwechselnd auf die Passanten, denen man ausweicht, und den Boden unter den Füßen. Aber es gibt auch andere Aussichten. Die von oben zum Beispiel (hier vom Triumphbogen aus) … Manchmal gibt es Fenster, die sich auf gläsernen Tischplatten spiegeln und den Blick plötzlich in Himmelstiefen sinken lassen …. Es gibt die Perspektive aus dem Rückspiegel, in den sich zuweilen behebig-stolze Bauten schleichen (Notre Dame de Paris zeigt uns den Rücken) … …aus hohen Etagen kann man ab und an den Aufstieg…

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    PARIS 1900… LA BELLE EPOQUE

    Schon seit Wochen blinzelte mich dieses Plakat einer großen Ausstellung über das Paris von 1900 im Petit Palais an, wenn ich durch Metrogänge schlenderte. Und schon allein dieses Plakat brachte mich zum Tagträumen. Das Paris der frühen Kabaretts, der feinen Damen mit Hut und Sonnenschirm. Das Paris von Marcel Proust, das der ersten Metros, der ersten Filme, der Kunst- und Literatursalons. Eine Welt im Glauben an Fortschritt, vor den Weltkriegen, vor der großen Entzauberung der Welt. Diese Woche habe ich mich dann endlich in den Bus gesetzt, um die Seine zu überqueren und zum Petit Palais (der, wie der Grand Palais, im Jahr 1900 zur Pariser Weltausstellung erbaut wurde) zur…

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    MENSCHEN IN PARIS II

    Menschen in der Stadt, en masse, jeden Tag, jede Minute, an jeder Kreuzung, jedem Boulevard. In so viele Gesichter geschaut, über ihre Geschichten gerätselt. Hier sind wieder ein paar der Protagonisten meiner Beobachtungen. Jeder ein Puzzleteil aus dem Mosaik des Stadtlebens. Und zu Teil I geht es hier. Ist der Schuh zu eng oder der Reißverschluss aufgegangen?  Ich hatte gerade erst meine Kamera erstanden und mich auf erste Knips-Touren begeben. Im Jardin de Luxembourg, es nieselte und ich war ganz fasziniert davon, die vereinzelten Spaziergänger eilig festzuhalten.  Um dann einem gelb durch die Dämmerung leuchtenden Regenschirm nachzuspüren … An der Place Saint Sulpice. Ein Mann mit Aktentasche, ganz schwarz gegen…

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    LANGER JUNIABEND

    Der letzte Post war ein Befreiungsschlag für die kommende Arbeitsphase und ich gehe sie begleitet von euren guten Worten an. Danke! Freitag ist es also schon wieder. Dann und wann habe ich mich mal wieder ablenken lassen, aber gerade diese Zerstreuungen bleiben mir im Sinn, wenn ich auf die vergangenen Tage zurückblicke. Zum Beispiel kam da eine wunderbare Bücherpost aus Deutschland eingeflattert: Ich habe mir nach längerem Liebäugeln die Literaturzeitschrift Poet bestellt. Und in ihr bin ich versunken in eine dichte, vielfältige Sammlung von zeitgenössischen Texten, in kurze Prosastücke, Lyrik und Kommentare. Dazu liebevolle Illustrationen und ein angenehmes Buchformat. Auch der Poetenladen ist einen virtuellen Besuch wert für den, der…

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    KLEINE DINGE FÜR DIE SINNE 5

    Eigentlich hatte ich angedacht, mich in dieser Kategorie viel häufiger zu Wort zu melden. Als Ode an die schönen Dinge im Alltag. Um die Sinne zu schärfen, manchmal gar erst wiederzubeleben, wenn ich mich betäubt frage, wo die Zeit schon wieder hingelaufen ist. Und in letzter Zeit fiel es mir nicht unbedingt leicht, mich zwischendurch mal von allem, den Aufgaben, dem Kommunizieren, dem Gedankenkarussell, zu “ent”-binden, um einen Moment genießen zu können. Nun sitze ich am offenen Balkonfenster, habe ein paar Sachen geschafft und möchte durchatmen, lockerlassen. Ich tauche ab in meinen virtuellen Fotoordner und suche nach Bildern von jenen kleinen Dingen für die Sinne, die in letzter Zeit entstanden…