• Mein Paris

    Im Jardin des Plantes

    Erinnerung an letzten Sonntag Hand in Hand mit F. Meine Kraft reicht nur für eine Stunde Spaziergang aus, daher muss das Ziel gut gewählt sein. Wir setzen uns den Bus. Schon seit Freitag sind die öffentlichen Transportmittel wegen starker Luftverschmutzung kostenlos… Es geht in den Jardin des Plantes, einen großzügig angelegten Botanischen Garten im 5. Arrondissement. Kennt ihr ihn? Gegen die Spätnachmittagssonne kommen uns zahllose Spaziergänger entgegen. Man sieht beinah nur ihre Umrisse. Wie im Schattentheater. In den nächsten Wochen werden die Bäume wieder aufsprießen. Aber auch diese feingliedrigen, kahlen Wintergeäste haben ihre Anmut, finde ich. Es war kaum Winter, da wird es schon Frühling. Oder sagt man das jedes…

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    Kleine Dinge für die Sinne 1

    Mitbringsel vom Wochenmarkt am Tour Montparnasse: Ein Stück Comté | Tomaten | Avocado. Immer und zu allem: Baguette tradition (“pas trop cuite”) vom Bäcker Julien. Nettigkeiten: Fotos und Karten aus Ausstellungen anknipsen | Klamotten anprobieren und wieder verwerfen | Weiße Explosion einiger Parkbäume. ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– Gedanke: Etwas nicht schaffen, hinterher sein, vorauseilen, zurückhinken, außer Atem sein, sich vergleichen, ach nein… … “Schau dich an, deine zifferblättrige Haut – wie spät bist du? nicht nach, nicht vor – die Uhr geht genau nach dir.”  (Hansjürgen Bulkowski)

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    Abendmomente unter freiem Himmel

    Wenig poetisch: Ich stehe eine Erkältung aus. Dabei war das Wochenende nochmal so wunderbar sonnig in Paris. Ich konnte in meinem benebelten Zustand also nicht die üblichen Spaziergänge und Einkaufstouren mit F. machen. Auch für die Uni habe ich außer ein paar Notizen, um mir später das Ausformulieren zu erleichtern, nichts geschafft. Meine Augen fielen vor dem Bildschirm zu und ich konnte nicht weiter denken als bis zu meiner verstopften Nase und dem rauen Hals. Aber auch das gehört zur Achtsamkeit: Akzeptieren, dass man phasenweise hinter seinen Erwartungen zurückbleibt. Und Entschleunigen, bis man wieder zu vollen Kräften kommt. Vom Sofa aus hat mich dieser seidige Abendhimmel auf den Balkon gelockt.…

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    Mein Mittwoch. Mit Kind durch die Metropole

    Du suchst einen Nebenjob in Paris? Für den Mittwoch wirst du in Paris immer etwas finden. An diesem Wochentag endet die Schule nämlich mittags und all die berufstätigen Mütter und Väter suchen nach kinderlieben Studenten, die ihre Kleinen bis zum Abend hüten. Ich stehe vor einer Grundschule nahe Place de Clichy und sehe Matthieu aus der Pforte stiefeln. Ich nehme den Ranzen und seine Hand und wir machen uns auf den Weg: Er hat gleich einen Fechtkurs und danach Geigenunterricht, wohin ich ihn per Bus, Metro und zu Fuß begleite. Im Bus träumt Matthieu vor sich hin und flüstert glasigen Blickes mit seiner Hand. Wir steigen im 8. Arrondissement aus…

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    Weißer Morgen über Paris – Tagesrituale & Motivation

    weißer morgen in den decken auf den tischflächen ausgestrecktes bett der dampf von wäschestaub märz schwirrt in den töpfen an der tasse saugt ein tropfen schläfrigkeit morgentau tapst auf porzellanbeinen alle wände lang • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • 10 Uhr, die Fenstertür zum Balkon steht offen, draußen ist es hell und diesig. Nachts ist ein pfeifender Wind durch Paris gejagt. F. und ich sind morgens ziemlich kaputt, als wären wir, wie heute Nacht das Fenster, durchgeschüttelt worden. F. geht zur Arbeit, ich nehme mir Zeit.…

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    Toi et moi – Zu zweit in Paris

    Ein jeder geht eingehülltin den Traum von sich selber.In manchen Träumen ist Raumfür den Zweitenwie in einem Doppelbett. Fast in allen.    Hilde Domin, “Fragment” Tage, die ich mit F. verbringe, sind wertvoll. Obwohl wir viel zweisame Zeit in Paris haben, ist diese Zeit meinem Gefühl nach nicht selbstverständlich und unerschöpflich.   Unsere Beziehung hat schon viel gesehen: Tausend Kilometer Entfernung und schmerzlich kurze Wochenenden, Zusammenleben in einem einzigen Zimmer, Monate zu zweit im einsamsten Dörfchen der französischen Picardie, dann in der lautesten Metropole, Treffen in meinem Land, in seinem Land und in Frankreich, unserem Land. Wie sollte es auch anders sein? Man ist sich begegnet, möchte zusammensein, aber beide haben…

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    Laufen ins Abendrot

    Erster Märztag. F. und ich laufen abends im Jardin du Luxembourg. Den ganzen Tag über ist es grau über Paris gewesen. Diese Art Himmelgrau, die blendet, obwohl kein Sonnenstrahl zu sehen ist, und die den Kopf beschwert. Gegen 6 Uhr abends dann ein gleißender Sonnenuntergang, dem wir entgegenlaufen. Ich höre keine Musik dabei, bin wie taub von der kalten Zugluft. Die Kälte hat schon den vielversprechenden Beigeschmack von Winterende. Ich schaue blinzelnd ins Abendrot hinein, will geblendet sein, mich auspowern, glühen vor Kälte und Hitze. Es tut gut, an nichts zu denken. Und wenn mich doch ein Gedanke streift, ist er zuversichtlich: Ich habe einen kleinen Job gefunden, der mir…

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    Sonntagskränzchen unter Nachbarn

    Am Sonntag sind wir zum Tee bei unserer Nachbarin C. eingeladen. Nachbarin heißt nicht, dass wir Tür an Tür wohnen. In unserem Gebäude gibt es viele Etagen und mehrere Aufzüge. Viele von den Bewohnern, meist ältere Paare und Alleinstehende, kennen wir nicht einmal vom Sehen. Unten in der Eingangshalle kreuzt man sich manchmal. Einige Herrschaften sind stolz und grüßen beinah nie. Mit anderen steht man zusammen im engen Aufzug, wünscht sich herzlich und scheu “Bonsoir” und hätte gern ein paar mehr Worte ausgetauscht, anstatt sich einander auf die Schuhe zu schauen. Es trifft sich, dass man doch eines Tages einen kleinen Gesprächsaufhänger findet und während der zwei, drei Minuten Fahrt…

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    Kopfauslüften an der Seine

    Blick von unserem Balkon Nach einem Wochenbeginn, den ich viel vor dem Bildschirm verbracht habe (was mir quadratische Augen und einen ausgereizten Geist einbrachte), muss ich nun dringend Luft schnappen. Schon morgens gute Stimmung nach einem Anruf, der mir Freude bereitete. Ich hechte mittags in die Straße, in die Menge. Mein Kopf lüftet sich. Ich durchquere wie so oft den Jardin de Luxembourg (einen schöneren Park gibt es nicht in Paris!) und laufe den Boulevard Saint Michel hinunter. Meine Augen jagen zwischen den vielen Gesichtern hin und her: Touristen, Studenten, Bettler, elegante Damen, Pärchen. Ich bleibe an den Bücherwühltischen vor den großen Buchhandlungen stehen und fische mir ein, zwei Titel…