• Reisen

    IN SOMMERZÜGEN … NACH LOTHRINGEN

    Sommer ist: wenn das Zimmer bei halbgeschlossenen Jalousien vor sich hin dämmert, wenn eine einsame Fliege brummend das Freie sucht und nicht findet, wenn draussen Zikaden zirpen bei brütender Hitze, während über die Fliesen Lichthasen huschen, zitternd weisse Geschöpfe, und Vasen, Töpfe, Krüge als Stilleben gänzlich ruhen. – Ilma Rakusa, “Sommer” Und Sommer ist auch das Reisen in leisen Zügen durch die weite Landschaft. Das Dösen am Fenster mit beinah zerliebter Musik in den Ohren, durch die noch das Rattern der Fahrt dringt. Unterwegssein, einmal wieder in den Osten Frankreichs, zu Besuch ins lothringische Metz.  Sommer ist auch das Ankommen am Bahnhof, in der Mittagshitze. Mit leichtem Gepäck die Freundin…

  • Gedanken

    ZWISCHENGEDANKE

    Aber weil Hiersein viel ist, und weil uns scheinbar alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die Schwindensten. Ein Mal jedes, nur ein Mal. Ein Mal und nichtmehr. Und wir auch ein Mal. Nie wieder. Aber dieses ein Mal gewesen sein, wenn auch nur ein Mal: irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar. – Rilke (Aus: Die neunte Elegie) Zwischengedacht: Hier zu sein, jetzt zu leben ist schon viel. In dieser einen von unzähligen Möglichkeiten (eingeschlossen der, gar nicht zu sein) hier und jetzt existieren zu dürfen, ist allein schon viel. Schwer zu erfassen: Nur ein Mal. Nur jetzt. Was heute ist, ist nur dieses Mal…

  • Mein Paris,  Schreiben & Poesie

    KURZER SÜDEN

    Paris im Mai – der Abend zieht  in roten Linien  vorüber, darin die Amsel  ihre Molltöne zu Samt verwebt. das Licht ist kurz dem Süden entliehen. es wiegt  sich noch von Mast zu Mast  und Dach für Dach  errötet  und  verblasst.  Erste Junitage, Paris ist bewölkt und kühl. Ich hänge einem Gedanken zurück in den Mai nach. Da waren diese südlichen Abende, wie ausgeliehen, denn Sommer ist noch nicht. Man sehnt sich den Winter lang danach: mit einem Glas Wein, in guter Gesellschaft draußen sitzen zu können, bis sich erst spät abends das Licht verfärbt. Mit F. genieße ich das sehr. Wie schon im April. Dabei das Schwirren der Schwalben…

  • Gedanken

    WENN DIE BLICKE NOCH TAUMELN

    der Morgen tapst in den Pantoffeln tänzelnd im Gold tastet er sich in die Laken wenn die Blicke  noch taumeln und der Tag von  Leichtem träumt atme ich auf Stelzen über die Stille hinweg Besprenkelt von Licht aufwachen, sich kaum regen, langsam räkeln, lauschen: der Morgen raschelt. Es beginnt, im Kopf zu wispern. Der Tag ist noch ganz leise, noch ganz leicht. Er wärmt sich in den Goldflecken dort an der Zimmerwand. In den Mustern aus Licht flimmert es. Was war gestern? Ist nicht mehr dran zu denken. Der Morgen ist schwerelos und still. Guten Morgen…

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    KLEINE DINGE FÜR DIE SINNE 4

    Ich möchte von den Dingen die ich sehe wie von dem Blitz gespalten werden Ich will nicht dass sie vorüberziehen farblos bunte sie schwimmen auf meiner Netzhaut sie treiben vorbei in die dunkle Stelle am Ende der Erinnerung (Hilde Domin: “Wunsch”)   Das Wochenende zwischen Regen und Sonne. Von einer Minute zur nächsten wird es dunkel im Zimmer, es regnet in geraden Linien auf Paris hinunter. Einige Minuten später wird es wieder hell. Ich habe viel zu lesen, viel Stoff durchzuwälzen. Masterarbeit. Ich steige wie auf Treppen hinab, immer tiefer in die Materie. Neue Räume öffnen sich. Alles weite Felder. Und es reizt mich, das alles zu erfahren. Selbst für…

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    Wenn es Abend wird in Paris …

    Abendrot die Sehnsucht  der Füchse Abendrot über  den Städten —Mario Wirz Ich sitze, mache dies und das, mal wieder so eingenommen, abgelenkt, zerstreut. Ich sehe kurz auf. Da ist wieder das Abendwerden am Himmel. Mach die Augen auf, nimm die Fuchsröte, die sich da draußen auf die Dächer legt, mit allen Sinnen wahr! Schließlich stehe ich auf, um doch noch die Kamera in die Hand zu nehmen… Das Licht ist weich und fließend. Ich kann durch die klare Luft bis zum Sacré Coeur schauen (so weit geht die Sicht im Winter meist nicht …). Es steht dort bleich wie ein Märchenschloss. Das Panthéon, zurzeit in Renovation, steht da wie eine…

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    Ende März – die Gedanken kreisen lassen

    Abends nicht nur und nicht nur  im März sag ich dir sagst du mir die glückseligen Vier Silben. Im Kirsch lorbeer twittern die Amseln. – Ulla Hahn “Nicht nur” März, März, schöner dritter Monat, warm und kalt, zwischen Winter und Sommer und schon wieder fast vorbei… So oft vom Balkon geschaut und Wolken und Licht dokumentiert. Alles festhalten wollen, was gleich wieder zu Nichts zerbröselt. Von Gold zu Hellblau zu Rosa. Dich beim Schlafen beobachten. Immer schon so gern. Immer schon mit einer Mischung aus Bewunderung für deine Ruhe und Beruhigung, dass du da bist und nicht fortgehst.  Und schreiben. Manchmal abends, um den Tag mit Worten zu beschichten, dass…

  • Gedanken

    Seiltanz zwischen Leicht und Schwer

    “Ich bin aber damit nicht einverstanden, Dass es schwer sein soll. Ich will es leicht. Darum übe ich mich, die Schwerkraft zu zwingen, Übers Seil zu laufen und dabei zu singen,  Um endlich auf einer Wolke zu landen.” (Wann ist die Balance erreicht?) (Eva Strittmatter “Balance”) Rot & Blau, leichtfüßig & schwermütig, hell & trüb. Die letzte Woche war voll von blauen Tagen und roten Abendhimmeln, mancher Tag einfach ins ‘Blaue hinein’, mancher geordnet nach Terminen. Oft bin ich kaum sicher, ob etwas gestern oder vor 3 Tagen war. Da waren: Stunden vor Bildschirm und Hausarbeiten | ausgedehnte Morgenrituale | Nachmittage mit meinem Schützling & seinen vielen Hausaufgaben | viel…

  • Gedanken

    Die guten Dinge des Lebens

    Die guten Dinge des Lebens sind alle kostenlos: die Luft, das Wasser, die Liebe. Wie machen wir das bloß, das Leben für teuer zu halten, wenn die Hauptsachen kostenlos sind? (Eva Strittmatter, aus: “Werte”) Bevor sich der Geschmack von Frühling wieder verflüchtigt, müssen Licht und feine Schatten in Bildern festgehalten werden. Ich kann diesem hellen Wetter in Paris kaum trauen und möchte doch die Tage so verbringen, als wären sie immer so freundlich. Nein, das Beste kostet (fast) nichts: Luft, Wasser, Sonne, Liebe, Zeit.

  • Mein Paris

    Weißer Morgen über Paris – Tagesrituale & Motivation

    weißer morgen in den decken auf den tischflächen ausgestrecktes bett der dampf von wäschestaub märz schwirrt in den töpfen an der tasse saugt ein tropfen schläfrigkeit morgentau tapst auf porzellanbeinen alle wände lang • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • 10 Uhr, die Fenstertür zum Balkon steht offen, draußen ist es hell und diesig. Nachts ist ein pfeifender Wind durch Paris gejagt. F. und ich sind morgens ziemlich kaputt, als wären wir, wie heute Nacht das Fenster, durchgeschüttelt worden. F. geht zur Arbeit, ich nehme mir Zeit.…